Erklärung des Berichtes

Die hier aufgeführten Erklärungen sind bewusst vereinfachend und umgangssprachlich formuliert, um das Wesentliche deutlich zu machen: Wie das Gehirn Situationen mit eigenen Verhaltensweisen und denen sich hieraus ergebenden Konsequenzen verknüpft.

Diagramm 1

Die erste Grafik veranschaulicht, wie das Gehirn lernt, wenn man z.B. in einem Bus einen Panikanfall erlebt: Menschheitsgeschichtlich alte, subkortikale Gehirnstrukturen (das sogenannte fight/flight-system) verknüpfen die – bis dahin als ungefährlich bewertete – Situation „Busfahren“ mit dem Erleben von Angst und Panik. Steigt man dann an der nächsten Haltestelle „in Panik“ aus, fällt die Angst ab und man hat das Gefühl, es gerade noch einmal geschafft zu haben. Der mit dem Verlassen des Busses einsetzende Angstabfall wird vom Gehirn als Bestätigung interpretiert, dass die Situation „Busfahren“ gefährlich gewesen ist und dass das Auftreten von Panik/Angst deswegen die „richtige“ Verhaltensweise war. Hieraus ziehen diese alten Gehirnstrukturen die Schlussfolgerung, dass es auch zukünftig richtig sein wird, in diesen Situationen mit Panik zu reagieren. Wie auch in real gefährlichen Situationen (z.B. beim unvorsichtigen, plötzlich lebensbedrohlichen Überqueren einer Hauptstraße) übernehmen diese Strukturen im Körper/Gehirn quasi das „Kommando“ vom sonst dominierenden Neocortex, welcher für „vernünftige“ und bewusstseinsbildende Prozesse zuständig ist, und sie „bestehen“ auf der Verhaltensweise „Bus verlassen!“. Dieses Nebeneinander von „neocortikaler“ Vernunft (= „Busfahren ist doch ungefährlich!“) und „subkortikal“ ausgelöster Panik („Gefahr: nur raus hier!“) wird von Betroffenen wie ohnmächtig und als unkontrollierbar „miterlebt“. Dass aus einem einzelnen Angstanfall eine dauerhafte Angststörung entstehen kann, hängt u.a. damit zusammen, dass Betroffene den Angstanfall als einen extrem unangenehmen Gefühlszustand erleben und fürchten, er könne sich wiederholen. Sie versuchen deshalb, die angstauslösenden und ihnen ähnliche Situationen zu vermeiden. So entsteht „Angst vor der Angst“, ein Teufelskreis aus Befürchtung und Vermeidung!


Diagramm 2

Die zweite Grafik veranschaulicht, dass die Angstzentren des Gehirns zum Verlernen des falsch Gelernten („Busfahren gefährlich!“) die neue (alte) Erfahrung machen müssen, dass Busfahren angstfrei beendet werden kann: Möglicherweise auftretende Panik wird mittels psychologischer Strategien wieder reduziert, bis keine Angst mehr während der Busfahrt auftritt. Erst dann wird die Situation verlassen.


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